Als wir Ende der Neunziger unsere ersten Textilien veredelt haben, war die Auswahl überschaubar: Siebdruck für Auflagen, Flexfolie für Namen, Stick für alles Edle. Heute fragt fast jeder Kunde zuerst nach DTF. Und das aus gutem Grund: Direct to Film hat die Textilveredelung in wenigen Jahren gründlich umgekrempelt.
Beim DTF-Druck wird das Motiv spiegelverkehrt auf eine Spezialfolie gedruckt, mit Kleberpulver bestreut, im Ofen geliert und anschließend unter der Transferpresse auf das Textil übertragen. Das klingt unspektakulär, löst aber gleich mehrere alte Probleme auf einmal. Trotzdem ist DTF kein Alleskönner. Wir zeigen, wo das Verfahren glänzt und wo die Klassiker weiterhin die bessere Wahl sind.
Was DTF so stark macht
Die größte Stärke von DTF ist die Flexibilität. Es gibt keine Siebe, keine Filme, keine Einrichtungskosten pro Farbe. Ein einzelnes Shirt ist genauso wirtschaftlich produzierbar wie fünfzig, und jedes davon darf ein anderes Motiv tragen. Dazu kommt: DTF druckt fotorealistisch, inklusive Weiß als Unterdruck, und haftet auf fast allen Stoffen, also Baumwolle, Polyester, Mischgewebe, sogar Softshell und beschichteten Materialien.
Ein Beispiel aus unserem Alltag: Ein Verein bestellt dreißig Shirts mit fünfzehn verschiedenen Motiven, teils mit Farbverläufen und kleinen Schriften. Im Siebdruck wäre das ein Albtraum aus Einrichtungskosten, im Plott bei den Verläufen schlicht unmöglich. Mit DTF ist das ein ganz normaler Auftrag. Auch der Griff überzeugt: Moderne DTF-Transfers sind dünn, elastisch und deutlich weicher als die dicken Transferdrucke früherer Jahre. Dazu kommt die Geschwindigkeit: Weil die Transfers auf Vorrat produziert und bei Bedarf gepresst werden können, sind Nachbestellungen und kurzfristige Aufträge deutlich einfacher zu stemmen als bei jedem anderen Verfahren.
Wo der Siebdruck weiterhin gewinnt
Der Siebdruck lebt von der Auflage. Die Einrichtung kostet Zeit und Geld, denn pro Farbe wird ein eigenes Sieb belichtet. Ist die Maschine aber einmal eingerichtet, sinken die Stückkosten rapide. Als Faustregel aus unserer Erfahrung gilt: Bei dreistelligen Auflagen mit wenigen Farben sollte man Siebdruck immer mitkalkulieren, denn dort ist er meist die günstigste Option.
Dazu kommen Argumente, die über den Preis hinausgehen: Siebdruckfarben lassen sich exakt nach Sonderfarbsystemen wie HKS oder Pantone anmischen, die Farbschicht ist extrem robust und die Deckkraft auf dunklen Textilien hervorragend. Für Arbeitskleidung mit Firmenlogo, die täglich gewaschen wird, ist ein sauber ausgeführter Siebdruck nach wie vor eine Bank.
Sublimation: unsichtbar im Stoff, aber wählerisch
Die Sublimation spielt in einer eigenen Liga, was den Griff angeht: Die Farbe verdampft unter Hitze und dringt direkt in die Faser ein. Es liegt also keine Schicht auf dem Stoff, der Druck ist schlicht nicht fühlbar und kann weder reißen noch abblättern. Für Sporttrikots, Funktionsshirts und Fahnen ist das ideal.
Der Haken: Sublimation funktioniert nur auf Polyester und nur auf hellen, am besten weißen Untergründen. Auf Baumwolle hält die Farbe nicht, auf dunklen Stoffen ist sie unsichtbar, weil das Verfahren kein Weiß drucken kann. Wer ein schwarzes Baumwollshirt bedrucken will, ist hier an der falschen Adresse und genau da übernimmt DTF.
Plott: unschlagbar bei Namen und Nummern
Der klassische Folienplott mit Flex- oder Flockfolie wirkt neben DTF fast altmodisch, hat aber eine Nische, in der ihn bis heute nichts schlägt: Personalisierung mit ein oder zwei Farben. Rückennummern, Spielernamen, einfarbige Vereinslogos. Die Folie wird geschnitten, entgittert und gepresst, ohne dass ein einziger Tropfen Tinte fließt.
Das Ergebnis ist absolut blickdicht, auch Weiß auf Schwarz deckt perfekt, und die Kanten sind messerscharf. Flockfolie bringt zusätzlich eine samtige Haptik mit, die viele Kunden bei Retro-Designs lieben. Für ein zwölffarbiges Foto-Motiv ist Plott ungeeignet, für die Trikotnummer der F-Jugend bleibt er unsere erste Empfehlung.
Entscheidungshilfe: welches Verfahren wann
Unsere Kurzformel nach über 25 Jahren Veredelungspraxis: Kleine bis mittlere Auflagen, bunte oder fotorealistische Motive, gemischte Stoffe? DTF. Große Auflage, wenige Farben, maximale Robustheit oder exakte Sonderfarben? Siebdruck. Helle Polyestertextilien, bei denen der Druck komplett im Stoff verschwinden soll? Sublimation. Namen, Nummern, einfarbige Logos in kleiner Stückzahl? Plott.
In der Praxis kombinieren wir die Verfahren übrigens häufig: das Vereinslogo als DTF-Transfer auf der Brust, die Rückennummer als Flexplott. Und manchmal ist die richtige Antwort auch gar kein Druck, sondern Stick, etwa bei Polos und Caps, die besonders hochwertig wirken sollen. Wer unsicher ist, schickt uns am besten Motiv, Stoffart und Stückzahl. Daraus ergibt sich das passende Verfahren meist von selbst, und ehrlich beraten ist am Ende günstiger als zweimal drucken. Was wir dagegen niemandem empfehlen: sich allein vom aktuellen Trend leiten zu lassen. DTF ist ein hervorragendes Werkzeug, aber eben eines von mehreren, und die beste Veredelung ist immer die, die zum konkreten Auftrag passt.



